Die Pulswellengeschwindigkeit – kurz PWV – beschreibt, wie schnell sich die durch jeden Herzschlag erzeugte Druckwelle durch die Arterien bewegt.
Je steifer die Gefäßwand ist, desto schneller läuft diese Welle.
Bei der Interpretation gibt es jedoch einen entscheidenden Punkt:
PWV-Werte lassen sich nur sinnvoll vergleichen, wenn die gleiche Messmethode und Gefäßstrecke verwendet wurden.
Kurzantwort: Die Pulswellengeschwindigkeit steigt mit zunehmendem Alter typischerweise an, weil Arterien im Durchschnitt steifer werden. Für die klinische Beurteilung der Aortensteifigkeit wird häufig die carotid-femorale PWV verwendet. In einer aktuellen europäischen Referenzpopulation lag deren Median beispielsweise bei etwa 6,6–6,9 m/s im Alter von 18–30 Jahren und bei etwa 10,3–10,4 m/s ab 70 Jahren. Ein cfPWV-Wert über 10 m/s gilt als häufig verwendeter Schwellenwert für erhöhte arterielle Steifigkeit und sollte im gesamten kardiovaskulären Kontext beurteilt werden.
Wenn das Herz Blut in die Hauptschlagader auswirft, entsteht eine Druckwelle, die sich durch das arterielle Gefäßsystem ausbreitet.
Die Pulswellengeschwindigkeit wird in Meter pro Sekunde (m/s) angegeben.
Das Grundprinzip lautet:
PWV = zurückgelegte Gefäßstrecke / Laufzeit der Pulswelle
Elastische Arterien dehnen sich bei jedem Herzschlag stärker und dämpfen die Druckwelle. Steifere Gefäße übertragen dieselbe Welle schneller.
Die Pulswelle bewegt sich deutlich schneller durch das Gefäßsystem als das Blut selbst.
PWV beschreibt deshalb die mechanischen Eigenschaften der Gefäßwand und nicht die Blutströmungsgeschwindigkeit.
Die carotid-femorale Pulswellengeschwindigkeit (cfPWV) misst die Laufzeit der Pulswelle zwischen Halsschlagader und Oberschenkelarterie.
Diese Strecke bildet einen großen Teil der Aorta ab und wird häufig zur Beurteilung der zentralen arteriellen Steifigkeit verwendet.
Andere Verfahren messen beispielsweise:
Die dabei entstehenden Werte sind methodenabhängig.
Eine brachial-ankle Messung umfasst andere Gefäßabschnitte als eine carotid-femorale Messung.
Dadurch unterscheiden sich typische Geschwindigkeiten und klinische Schwellenwerte.
| Messmethode | Gemessene Strecke | Häufig verwendeter erhöhter Risikoschwellenwert |
|---|---|---|
| cfPWV | Carotis bis Femoralregion, zentrale arterielle Steifigkeit | >10 m/s |
| baPWV | Oberarm bis Knöchel, zentrale und periphere Gefäßabschnitte | >14 m/s |
Ein Wert von 11 m/s sollte deshalb erst nach Klärung der Messmethode eingeordnet werden.
PWV steigt in Bevölkerungsstudien mit dem Alter an.
Die folgende Tabelle zeigt Medianwerte der carotid-femoralen PWV aus einer europäischen Referenzpopulation. Die Teilnehmer hatten keine bekannte manifeste Herz-Kreislauf-Erkrankung, keinen diagnostizierten Diabetes und nahmen keine Medikamente gegen Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen oder Diabetes ein.
| Alter | Frauen: Median cfPWV | Männer: Median cfPWV |
|---|---|---|
| 18–30 Jahre | 6,6 m/s | 6,9 m/s |
| 30–40 Jahre | 7,0 m/s | 7,6 m/s |
| 40–50 Jahre | 7,6 m/s | 8,0 m/s |
| 50–60 Jahre | 8,0 m/s | 8,5 m/s |
| 60–70 Jahre | 8,8 m/s | 9,2 m/s |
| ab 70 Jahre | 10,3 m/s | 10,4 m/s |
Wichtig: Diese Zahlen sind populationsbasierte Orientierungswerte für eine bestimmte cfPWV-Methode. Sie sind keine persönlichen Grenzwerte und lassen sich nicht direkt auf andere PWV-Verfahren übertragen.

Mit zunehmendem Alter verändert sich die Struktur großer Arterien.
Unter anderem:
Dadurch wird die Druckwelle im Durchschnitt schneller weitergeleitet.
Nein. Alter erklärt einen Teil der durchschnittlichen Zunahme, ersetzt aber keine Risikobewertung.
Ein altersbezogener Referenzwert zeigt, wo eine Person im Vergleich zu einer Referenzpopulation liegt.
Für das kardiovaskuläre Risiko spielen zusätzlich absolute Gefäßsteifigkeit, Blutdruck und weitere Risikofaktoren eine Rolle.
Für cfPWV wird ein Wert über 10 m/s häufig als Schwelle für erhöhte arterielle Steifigkeit verwendet.
Alter ist nur einer von mehreren Einflussfaktoren.
PWV wird stark durch die mechanische Belastung und langfristige Struktur der Arterien beeinflusst.
Blutdruck gehört zu den wichtigsten Einflussgrößen.
Steigt der Druck innerhalb der Arterie, wird die Gefäßwand stärker gespannt. Dadurch kann die Pulswelle bereits kurzfristig schneller laufen.
Deshalb sollte ein PWV-Wert immer gemeinsam mit dem Blutdruck während der Messung betrachtet werden.
Mehr zur Unterscheidung von Gefäßtrends und konkreten Blutdruckwerten findest du im Guide Smart Ring Blutdruck.
Eine höhere arterielle Steifigkeit wird unter anderem häufiger beobachtet bei:
Diese Faktoren wirken über unterschiedliche Mechanismen auf Gefäßstruktur und Gefäßfunktion.
Auch die Messsituation kann PWV beeinflussen.
Dazu gehören beispielsweise:
Ein Verlauf sollte deshalb möglichst unter vergleichbaren Bedingungen gemessen werden.

Eine höhere PWV bedeutet, dass sich die Druckwelle schneller durch die gemessenen Arterien bewegt. Das spricht für eine höhere arterielle Steifigkeit.
Arterielle Steifigkeit ist mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko verbunden und kann zusätzliche Informationen liefern, die über klassische Risikofaktoren hinausgehen.
Elastische große Arterien speichern während des Herzschlags einen Teil der ausgeworfenen Energie und geben sie anschließend wieder ab.
Bei zunehmender Steifigkeit geht diese Pufferfunktion zurück.
Dadurch können:
PWV beschreibt hauptsächlich die funktionelle und strukturelle Steifigkeit der Arterien.
Sie zeigt nicht, an welcher Stelle sich ein Plaque befindet oder ob eine konkrete Arterie verengt ist.
Für solche lokalen Veränderungen werden beispielsweise bildgebende Verfahren wie Gefäßultraschall eingesetzt.
Der Begriff Gefäßalter beschreibt häufig einen Vergleich zwischen dem gemessenen Gefäßparameter und Referenzwerten verschiedener Altersgruppen.
Beispiel:
Wenn eine jüngere Person eine cfPWV besitzt, die eher dem Median einer deutlich älteren Referenzgruppe entspricht, kann dies als Hinweis auf beschleunigte Gefäßalterung dargestellt werden.
Gefäßalter ist damit ein Interpretationsmodell und keine direkte biologische Altersmessung der Arterien.
PWV reagiert auf die Bedingungen während der Messung. Standardisierte Bedingungen verbessern deshalb die Vergleichbarkeit.
Typischerweise sinnvoll sind:
Ein einzelner PWV-Wert wird von Alter, aktuellem Blutdruck und Messbedingungen beeinflusst.
Bei wiederholten Messungen unter ähnlichen Bedingungen lässt sich besser erkennen, ob sich die arterielle Steifigkeit langfristig verändert.
Für die Interpretation sind mindestens diese Informationen hilfreich:
Eine Tabelle aus dem Internet ohne Kenntnis der Messmethode reicht für eine medizinische Einordnung nicht aus.

Smart Rings nutzen optische Sensoren am Finger, um Veränderungen des Blutflusses und andere physiologische Signale zu erfassen.
RingConn Gen 3 bietet Gefäßgesundheitstrends, die langfristigen zusätzlichen Kontext zur persönlichen Wellnessbeobachtung liefern können.
Die aktuell öffentlich beschriebenen RingConn Funktionen verwenden unter anderem:
RingConn Gen 3 wird aktuell nicht als klinisches Gerät zur direkten Messung der carotid-femoralen PWV in m/s beschrieben.
Ein Wert aus den Gefäßgesundheitstrends sollte deshalb nicht mit den cfPWV-Alterswerten aus der obigen Tabelle gleichgesetzt werden.
Zur allgemeinen Herz-Kreislauf- und Erholungsbeobachtung können beispielsweise interessant sein:
Mehr zur Einordnung der Herzfrequenz findest du im Guide zum normalen Ruhepuls.
Die Herzfrequenzvariabilität liefert zusätzlichen Kontext zur autonomen Regulation und Erholung.
Über die RingConn App Funktionen lassen sich verschiedene langfristige Wellness-Trends gemeinsam betrachten.
Wenn eine konkrete Beurteilung der arteriellen Steifigkeit erforderlich ist, sollte eine standardisierte medizinische PWV-Untersuchung verwendet werden.
Wearable-Trends können ergänzende Informationen liefern, ersetzen jedoch keine diagnostische Gefäßmessung.
Es gibt keinen einzigen universellen Normalwert. Die Interpretation hängt von Messmethode, Alter, Geschlecht und Blutdruck ab. Für carotid-femorale PWV wird ein Wert über 10 m/s häufig als Schwelle für erhöhte arterielle Steifigkeit verwendet.
In einer aktuellen europäischen Referenzpopulation lag die mediane cfPWV zwischen 40 und 50 Jahren bei etwa 7,6 m/s bei Frauen und 8,0 m/s bei Männern.
Zwischen 60 und 70 Jahren lag die mediane cfPWV in derselben Referenzpopulation bei etwa 8,8 m/s bei Frauen und 9,2 m/s bei Männern.
Bei carotid-femoraler PWV liegt 10 m/s im Bereich eines häufig verwendeten Risikoschwellenwerts. Alter, Blutdruck, Messverfahren und weitere kardiovaskuläre Faktoren sollten gemeinsam berücksichtigt werden.
Mit zunehmendem Alter verändern sich Elastin, Kollagen und weitere Strukturen der Arterienwand. Zusätzlich wirken Blutdruck und langfristige kardiovaskuläre Risikofaktoren auf die Gefäßsteifigkeit.
Regelmäßige körperliche Aktivität ist mit günstigerer Gefäßfunktion verbunden. Direkt nach intensiver Belastung können Herz-Kreislauf-Parameter jedoch vorübergehend verändert sein, weshalb PWV-Messungen unter standardisierten Ruhebedingungen erfolgen sollten.
RingConn Gen 3 bietet Gefäßgesundheitstrends, wird aktuell jedoch nicht als klinisches Gerät zur direkten Messung der carotid-femoralen PWV in m/s beschrieben.
Die Pulswellengeschwindigkeit ist ein wichtiger Marker für arterielle Steifigkeit.
Mit zunehmendem Alter steigt cfPWV in Referenzpopulationen im Durchschnitt an. Für eine korrekte Einordnung sind jedoch mehrere Faktoren erforderlich:
Messmethode + Alter + Geschlecht + Blutdruck + persönlicher Risikokontext
Besonders wichtig ist die Messmethode. Ein carotid-femoraler PWV-Wert lässt sich nicht direkt mit einem brachial-ankle Wert vergleichen.
Für cfPWV gilt ein Wert über 10 m/s als häufig verwendete Schwelle für erhöhte arterielle Steifigkeit. Altersbezogene Tabellen helfen zusätzlich dabei, den eigenen Messwert mit einer Referenzpopulation zu vergleichen.
PWV zeigt die Steifigkeit großer Arterien, lokalisiert jedoch keine Plaques oder Gefäßverengungen.
RingConn kann langfristige Gefäß-, Herzfrequenz-, HRV- und Lifestyle-Trends als zusätzlichen Wellness-Kontext darstellen. Eine medizinische PWV-Messung bleibt erforderlich, wenn die arterielle Steifigkeit diagnostisch in m/s beurteilt werden soll.
Medizinischer Hinweis: RingConn-Produkte sind keine medizinischen Geräte und ersetzen keine medizinische Diagnose oder Behandlung. Gefäßgesundheits- und Wearable-Daten dienen der allgemeinen Wellness- und Trendbeobachtung.